Zeitzeugen der Menschenrechte

Intro

Jährlich erhalten 8.000 Opfer von Folter, Vergewaltigung und anderen Menschenrechtsverletzungen in den Mitgliedszentren der BAFF Hilfe und die notwendige Behandlung. Viele haben das Bedürfnis, ihre Geschichten und Erlebnisse von politischer Verfolgung, Krieg, Flucht und Leben im Exil mitzuteilen und öffentlich zu machen. Wir möchten Folterüberlenden Flüchtlingen mit der Zeitzeugen-Dokumentation eine Stimme geben.

Der Projektstart wurde von Aktion Mensch, Uno Flüchtlingshilfe und Amnesty International unterstützt. Das Projekt entstand aus der konkreten therapeutischen Arbeit und Begleitung der Betroffenen.

Nur selten haben Flüchtlinge in Deutschland Gelegenheit auf ihr persönliches Schicksal aufmerksam zu machen. Oft führen sie ein von der Gesellschaft isoliertes Leben und müssen ungeachtet ihrer traumatischen Vergangenheit alleine in der Fremde zu Recht kommen. In dem Zeitzeugen-Projekt kommen Menschen zu Wort, die schreckliche Erfahrungen gemacht haben, Erfahrungen von Vertreibung und Folter, politischer Verfolgung und Krieg. Auch nach einer erfolgreichen Flucht befinden sich die meisten von ihnen in einer schwierigen Lebenssituation, die geprägt ist von dem Versuch das Erlebte zu verarbeiten und der Ungewissheit über die eigene Zukunft.

In Form von Zeitzeugen-Interviews und im Rahmen einer Schreibwerkstatt erhalten die Flüchtlinge die Möglichkeit, ihre persönliche Geschichte zu erzählen. Über die Dokumentation und Online-Publikation ihrer Zeitzeugnisse soll das öffentliche Bewusstsein sensibilisiert und auf die Wichtigkeit der Arbeit der deutschen Behandlungszentren hingewiesen werden. So werden die unaussprechlichen Erlebnisse zugänglich gemacht und die nötige Unterstützung deutlich. Es soll Verständnis und Anerkennung für das Erleben dieser Unrechtserfahrungen erreicht werden.

Neben der Möglichkeit eine Auswahl der so entstandenen Texte zu lesen, können Sie das persönliche Schicksal dieser Zeitzeugen näher kennenlernen und sich mit der politischen Lage ihrer jeweiligen Heimat vertraut machen.

Isabel

Isabel stammt aus Kolumbien und lebt mit unsicherem Duldungsstatus seit 2006 in Deutschland. Ihre 12jährige Tochter musste Isabel unter Lebensgefahr zurücklassen, nachdem sie zwischen rivalisierende Guerillatruppen geraten und entführt worden war. In Deutschland fühlt sich die 46jährige "zum Tier degradiert" und führt ein fremdbestimmtes Heimleben.

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Miran

Sein politischer Einsatz für die kurdische Minderheit der Türkei wird Miran zum Verhängnis. Mehrfach inhaftiert und schwer gefoltert, muss der 30jährige Kurde schließlich für 10 Jahre ins Gefängnis. Um einer weiteren Gefängnisstrafe zu entgehen, flieht er nach Deutschland. Das Leben im fremden Land ist für ihn eine neue Erfahrung der Einsamkeit.

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Munira

Als Kriegsflüchtling verlässt die damals 14jährige Munira zusammen mit ihrer Familie das ehemalige Jugoslawien und wächst in einem Wohnheim in Deutschland auf. Noch heute hat die junge Mutter Schwierigkeiten, die Kriegserlebnisse zu verarbeiten. Die drohende Abschiebung ihrer Familie wiederum ist eine ständige psychische Belastung.

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Nadescha

Nadescha entstammt einer wohlhabenden georgischen Familie. Als junges Mädchen wird sie entführt und ihre Eltern erpresst. Aus Angst vor weiteren Repressalien flieht die Familie in den 90er Jahren nach Deutschland. Hier fühlt sich Nadescha mittlerweile wohl, doch die ständige Angst wieder abgeschoben zu werden erlaubt ihr kein sorgenfreies Leben.

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Reza

Weil die Geheimpolizei regimekritisches Material in seiner Wohnung findet, flieht Reza Ende der 90er Jahre nach Deutschland. Er verbringt einige Jahre in völliger Isolation in einem dörflichen Flüchtlingsheim und leidet an Depression. In Berlin haben sich seine Lebensumstände etwas gebessert, aber der unsichere Duldungsstatus macht ein normales Leben nach wie vor unmöglich.

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Sewarion

Sewarion muss erleben wie aus politischen Motiven seine Schwester vergewaltigt, sein Vater ermordet und sein Schwiegervater totgeprügelt werden. Gemeinsam mit Frau und Kind flieht der 40jährige aus seiner Heimatstadt Tiflis. In Deutschland jedoch wird sein Asylantrag bislang nicht anerkannt. Die junge Familie steht vor einer unsicheren Zukunft.

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Hussein

Gemeinsam mit seinem Bruder werden Hussein anti-syrische Aktivitäten vorgeworfen. Nach Monaten im Gefängnis und unter Folter werden die jungen Männer als Vogelfreie entlassen. Als Husseins Bruder getötet wird, flieht er über die Türkei nach Deutschland. Neben der Freude über seine erfolgreiche Flucht, begleitet Hussein die Trauer um den Bruder tagtäglich.

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Aslan

Von schweren Kriegseindrücken beeinflusst kämpft Aslan an der Seite des tschetschenischen Widerstands gegen die russische Armee. Nach dem offiziellen Kriegsende kehrt er in seine Heimatstadt Grosny zurück. Dort wird er von russischen Militärs gefangengenommen und gefoltert. Seine Familie kann ihn mit Mühe frei kaufen. Aslan flieht nach Deutschland und wartet seither auf die Anerkennung seines Asylantrags.

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Can

Weil sich der 30jährige Can in seiner kurdischen Gemeinde engagiert, wird er mehrfach von der türkischen Polizei inhaftiert und gefoltert. Can will nicht wieder ins Gefängnis und beschließt – auch um seine Familie zu schützen – die Flucht nach Deutschland. Seit einigen Jahren lebt er als geduldeter Flüchtling in Berlin.

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Francis

Als Homosexueller wird Francis in seiner west-afrikanischen Heimat gefoltert und ins Gefängnis gesteckt. Seine Haftstrafe verbringt der junge Mann, der in Regierungskreisen arbeitet und ankündigt homosexuelle Regierungsmitglieder zu enttarnen, unter schweren Misshandlungen und Todesdrohungen. Nur mit Mühe kann ihn ein Freund vor der Ermordung retten. Um sein Leben zu schützen, flieht Francis nach Deutschland.

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Die Geschichten auf dieser Webseite sind eine Auswahl von Texten, die in der Schreibwerkstatt "Zeitzeugen der Menschenrechte" entstanden sind. "Zeitzeugen der Menschenrechte" ist ein Projekt der BAfF e.V., dem Dachverband der psychosozialen Behandlungszentren für Folteropfer in Deutschland und wurde mit Unterstützung von XENION- psychotherapeutische Beratungsstelle für politisch Verfolgte e.V. durchgeführt.

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